Hallo Ihr Lieben,
Kind und Mann schlafen - DER Moment, mich selbst endlich mal zu melden.
Die 'technischen Daten' und Fotos zum Kind hat Vinnie- Euch ja bereits zukommen lassen. Hier noch ein bischen Input von mir, fuer wen es interessiert...
Die Geburt war schnell, aber leider nicht leicht, weil der Kerl sich in den Kopf gesetzt hatte, diesen falschrum durch das Becken schieben zu wollen, was aus anatomichen Gruenden eben nicht geht. Ich durfte daher mit heftigsten Presswehen stundenlang verschiedene 'Lagerungen' ausprobieren, in der Hoffnung, dass das Kind sich drehen moege. Was er aber nicht tat und so wurde am Ende eine ziemlich Panikaktion mit Zange und zwei Aerzten quer auf meinem Bauch knieend draus.
Entsprechend hatte der Kleine auch etwas Start- schwierigkeiten, so ist z.B. sein eines Schluesselbein gebrochen und dank der Haematome von Glocke und Schluesselbeinfraktur rutschte er dann auch etwas tiefer in die Baby-Gelbsucht, so dass er zeitweise in den Inkubator unter UV-Licht musste. Wobei er da echt cool drin aussah (siehe Fotoseite)... Ausserdem braucht er laenger, sich einzufinden in den Alltag und ist sehr kontaktbeduerftig. Nunja, soll er haben, wenn er es jetzt braucht, hauptsache, dass er nicht noch in Jahren ein Rockzipfel-Kind ist...!
Endlich zuhause konnten wir feststellen, dass alle Tipps, die wir als uebertrieben angesehen hatten ('Jede Minute, die das Kind schlaeft, auch selbst schlafen' etc.) absolut stimmig waren. Schon am 3. Tag startete die Blaehungs-Katastrophe, die wir erst jetzt so langsam im Griff haben (dank massiver Fencheltee-Gaben per Mokka-Loeffelchen *uff*). Wie dankbar wir doch bereits in dieser kurzen Zeit fuer die Tipps erfahrener Eltern waren, die wir alle ungeniert ausfragten ;-))
Nachdem wir die Pupserei auf ein ertraegliches Mass reduzieren konnten - also weit genug, dass wir alle drei zeitweise schlafen koennen - starteten nun nahtlos die Bruellanfaelle (zwischen 18:00 Uhr und 4:00 Uhr). Meine Naechte bestehen zwischen den Still-Sitzungen (und was haben wir fuer ein Geniesser- kind - er kostet EINEN Busen gern 30 min lang aus aus, macht fast 1,5 h pro Stillvorgang (inkl. Tee- Gabe, Ruelpsen etc.)) nun im Huepfen auf einem Pezziball unter Absingen von Liedern. Das Kind will dabei locker aus dem Arm gehalten werden - Auf- stuetzen des Armes auf ein Bein oder so gildet nicht und wird sofort mit Bruellen quittiert. Die einzigen Lieder, die ich textlich beherrsche sind allerdings Deutsches Arbeiterliedgut (aus meiner eigenen Kinderzeit, mein Vater schrieb seine Abschlussarbeit darueber und ich hoerte als 5jaehrige die Platten rauf und runter) sowie Beatlessongs.
Moechte nicht wissen, was die Nachbarn denken, wenn sie mich nachts durch die offenen Fenster hoeren, abwechselnd die 'Internationale', den 'Freiheitskaempfer Robert Blum' und 'Norwegian Wood' singend ;-))
Von diesen kleineren Zumutungen abgesehen (und was man im Internet liest, hinterlaesst den Eindruck, dass wir nur Mini-Probleme haben), ist Linus aber ein echter Engel, er laechelt oft (naja, das ist noch ungesteuert - aber immerhin!) und ich koennte ihn staendig knuddeln. Was vermutlich normal ist. Auch, dass man sich ueber jeden noch so kleinen Pfurz freut ('ja, SUPER hast Du das gemacht, kleiner Kerl!!!') und auch sonst etwas debil wird, wenn man den Sproessling betrachtet.
Vinnie- hat gott-sei-dank noch Urlaub diese Woche, momentan wuesste ich gar nicht, wie es ohne ihn geht. So ein Wurm laesst sich schon nur bescheiden tragen, weil er sich immer zusammenfallen laesst und der Kopp wegkugelt. Also braucht man beide Arme und dann fehlen irgendwie die Moeglichkeiten, noch das Bett zu richten, den Schnuller aufzuheben, Essen zu machen, Tee zu fuettern und und und. Wie sehr bewundere ich alleinstehende Muetter bzw. solche, deren Mann nicht zuhause bleiben kann am Anfang. Alles dauert immer noch so lange, dass ich nicht weiss, wie wir es schaffen, mal rauszukommen. Bis das Kind (und wir!) endlich soweit sind, ist immer bereits wieder Futterzeit ;-(
Aber all das soll ab der 3. Woche besser werden, sich einspielen etc. pp. - da vertraue ich jetzt mal der Prognose der Hebamme und bin zuversichtlich. Auch, wenn das Wichtigste was ich gelernt habe ist: Keine Erkenntnis oder Sicherheit gilt laenger als einen Tag. Immer, wenn man denkt, man hat den Bogen raus fuer eine Sache, sieht es am naechsten Tag wieder voellig anders aus und man faengt von vorn an, sich an Problemloesungen heranzutasten...
Liebe Gruesse
Nicola